"Wald-Michelbach statt Nikosia"

Seit Anfang dieser Saison kann die Spvgg.05 einen Spieler mit einer sehr spannenden Vergangenheit in ihren Reihen begrüßen. Lars Schlichting kann immerhin auf knapp 10 Jahre Profi-Erfahrung in Griechenland und Zypern zurückblicken.

 

Auf Zypern gelang ihm mit dem Club Ethnikos Achnas sogar der Einzug in den UEFA-Cup mit Spielen gegen den französischen Club RC Lens.

F1: Wie verschlägt es einen 20 jährigen deutschen Fußballer vom Eichholzer SV in der Oberliga zum griechischen Drittligisten AO Tymbaki ? Eine verlängerte Urlaubsreise ?

 

Ich habe griechische Wurzeln. Meine Mutter kommt aus Kreta und ich wollte unbedingt die griechische Kultur kennenlernen. Außerdem war ich nach dem Abi abenteuerhungrig, ich wollte andere Länder bereisen, etwas Neues sehen. AO Tymbaki war eine Chance meinem Traum vom Profifußball ein Stückchen näher zu kommen. Kreta bot mir also die Möglichkeit, beides miteinander zu verbinden.

 

 

F2: Und dann der Sprung in die erste Liga Griechenlands, waren davor die Scouts in Deutschland nicht aufmerksam genug ?

 

 

Ich wollte unbedingt Profi werden. Schon in der Jugend habe ich hart dafür gearbeitet und auf vieles verzichtet. Aber zu der Zeit, als ich beim HSV in der A-Jugend spielte, waren in der Bundesliga vor allem gestandene Profis gefragt. Man hatte kein Vertrauen in die Jugend, was sich ja heute glücklicherweise ganz anders entwickelt hat. Das hat mich damals aber nicht entmutigt, ich habe trotzdem an meinem Traum festgehalten und mein Glück eben im Ausland versucht. An einem Tag habe ich meine Fußballschuhe eingepackt und bin einfach unangemeldet zu einem 1. Liga Verein in Griechenland gegangen. Der Trainer des Vereins bewunderte meinen Mut und hat mich mittrainieren lassen. Ich habe im Training überzeugt und ein paar Wochen später habe ich meinen 1. Profivertrag unterschrieben. Kurz danach spielte ich dann gegen Rivaldo ☺ (damals Olympiakos Piräus).

 

 

F3: Nun müssen wir auch noch zum Schritt nach Zypern fragen, wie kam dieser zu stande ?

 

 

Nach einem starken Jahr in der ersten Liga Griechenlands hatte ich nach der Saison einige Optionen. Da erhielt ich u.a. einen Anruf vom Präsidenten des zypriotischen Erstligisten Ethnikos Achnas Famagusta. Er erklärte mir, dass er Interesse daran habe, eine Mannschaft aufzubauen, die langfristig zusammenspielt und sich auch international behaupten kann. Für einen jungen Spieler war das natürlich interessant und so bin ich nach Zypern geflogen und habe einige Gespräche geführt. Aufgrund des unschlagbaren finanziellen Angebots und der attraktiven Rahmenbedingungen dauerte es nicht lang und ich unterschrieb den Vertrag auf Zypern.

 

 

Heute kann ich sagen, eine absolut richtige Entscheidung. Denn zwei Jahre danach haben wir auf Zypern Geschichte geschrieben: Wir sind als erste zypriotische Mannschaft in die Europa League eingezogen. Auf diesem Niveau zu spielen war für mich ein unvergessliches Erlebnis.

 

 

F4: War es schwierig, sich auf die Lebensumstände in Griechenland / Zypern einzustellen? Wie lief die Verständigung? Ist Dein Griechisch perfekt?

 

 

Da ich durch meine Mutter schon einige Grundkenntnisse in Griechisch hatte, fiel es mir überhaupt nicht schwer, die Sprache zu lernen. Heute spreche ich die Sprache fließend.

 

Ob es schwierig war, sich auf die Lebensumstände in Griechenland und auf Zypern einzustellen?! (lacht) Es war ein Traum: Fast 365 Tage Sonne im Jahr und ein Apartment mit Pool in unmittelbarer Strandnähe… Wetter, dass ich als das beste Ganzjahres Wetter von Europa bezeichnen würde, ein Apartment mit Pool direkt am Strand. Ich würde sagen: super Voraussetzungen für eine optimale Work-Live-Balance! (lacht)

 

 

F5: Wäre es nicht eine Alternative gewesen, nach 10 Jahren dort zu bleiben und eine Herausforderung als Trainer anzunehmen?

 

 

Auch wenn ich die Zeit im Ausland sehr genossen habe und um viele Erfahrungen reicher geworden bin, ich wusste immer, dass ich irgendwann nach Deutschland zurückkehren würde. Nach 10 Jahren habe ich meine Heimat dann doch sehr vermisst, deshalb freue ich mich sehr, wieder hier zu sein. Es wäre sicherlich eine Möglichkeit gewesen, dort als Trainer einzusteigen, als ich aber vor 1,5 Jahren entschied mit dem Profifußball aufzuhören, hatte ich andere Pläne.

 

 

 

Schon in meiner Zeit als Fußballprofi interessierte ich mich für die Bereiche Fitness und Sportwissenschaft. Aus Neugier stellte ich den Sportwissenschaftlern, Fitness- und Konditionstrainern in den Vereinen häufig Fragen und lernte dadurch viel von ihnen. Ja und jetzt bin ich selbst ausgebildeter Personal Trainer hier in Frankfurt, was mir echt großen Spaß macht! Mein Wissen und meine Erfahrungen aus dem Profisport kann ich beim Personal Training gut nutzen, um meine Kunden bei der Erreichung ihrer Ziele optimal zu unterstützen.

 

 

 

F6: Nun also Verbandsliga Hessen Süd. Wie gefällt es Dir bis jetzt im Umfeld und Verein? Wie stark ist das Niveau der Liga?

 

 

 

Fußball spielen macht mir immer noch großen Spaß. Ich wohne in Sachsenhausen und war auf der Suche nach einem Verein in meiner Nähe. Da lag Frankfurts Nr. 3 in Oberrad mit dem schönen Vereinsgelände natürlich nahe.

 

Natürlich ist es eine Umstellung und man sollte Profifußball nicht mit Amateurfußball vergleichen, ich denke aber, dass der Verein mit den Möglichkeiten, die er hat, sehr gut aufgestellt ist.

 

Die Bedingungen für die Spieler sind super und mit dem kommenden Kunstrasen wird alles noch besser. Wir haben eine gute Mannschaft mit ambitionierten Spielern und einem erfahrenen Trainer Einige der Spieler könnten sicherlich auch zwei Ligen höher spielen. Das Niveau der Liga ist gut, die spielerische Qualität ist natürlich nicht vergleichbar mit der Profiliga aber es gibt viele junge Talente mit Laufkraft und außerordentlichem Kampfgeist.

 

 

 

F7: Welche Ziele hast Du noch mit Oberrad 05? Hast Du - als bereits erfolgreicher Trainer in unserem Jugend-Fördertraining - weitere Ambitionen in diesem Bereich?

 

 

Unser Ziel ist es, genau so gut zu spielen, wie wir es in der Hinrunde gemacht haben. Wichtig dabei ist, dass wir den Spaß dabei nicht verlieren, alles andere kommt dann von selbst.

 

 

Das Fördertraining macht mir riesig Spaß. Auch die Einzelförderung für Fußballspieler, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Personal Trainer anbiete, macht mir sehr viel Freude. Ich kann sowohl im Fördertraining als auch in der Einzelförderung mein Wissen aus 10 Jahren Profifußball an junge Spieler weitergeben.

 

Ich trainiere im Rahmen der Einzelförderung, Spieler und Spielerinnen aus unterschiedlichen Altersgruppen und zeige ihnen, worauf es im Profifußball ankommt.

 

Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen für die Zukunft alles Gute!

 

Für weitere Informationen:

 

www.lars-schlichting.de

Hauptsponsor

Platinsponsor

Goldsponsor

Silbersponsoren

Sponsoren